Alles fließt: Wenn die Dinge von der Hand gehen

22. Juni 2022

Flow. Glücklich ist, wer in der Tätigkeit aufgeht

Bewusstsein

Kennen Sie dieses Phänomen? Sie sind in Ihrem Element und gehen in einer Sache vollkommen auf, verspüren dabei bedingungslose Konzentration und vergessen sich selbst gänzlich. Jegliches Zeitgefühl verschwindet. Sie verschmelzen regelrecht mit dieser Tätigkeit und am Ende springt ein nie da gewesenes Ergebnis heraus.

Eine solche Erfahrung bezeichnet man in der Psychologie als einen „Flow“-Zustand.

Erstmals erforscht wurde dieser spezielle Bewusstseinszustand vom ungarischen Psychologen Mihály Csíkszentmihályi (1934-2021). Bewusstseinszustand deshalb, weil sich die Gehirnwellen dabei tatsächlich im Alpha- oder Thetabereich einfinden. Ob Künstler, Spitzensportler oder im Berufsalltag – sie alle kennen Tage, an denen ihre Tätigkeit erzwungen, schwierig und unzusammenhängend erscheint. Und solche, wo alles leicht von der Hand geht: rhythmisch, einfach, natürlich, fließend.

Auch im Alltag

Übersetzt bedeutet „Flow“ genau das: fließen. Flow-Momente können wir genauso bei Alltagstätigkeiten erleben, wie beim Putzen, Kochen, bei der Garbenarbeit oder beim Schrauben. Der Flow scheint genau dort von besonderer Bedeutung, bei denen die Anforderungen hoch und der Stress groß sind. Burnout ist hier ein wichtiges Stichwort. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass sowohl chronische Über-, als auch Unterforderung zum sogenannten „Ausbrennen“ führen kann. Im „Flow“-Zustand ist man genau dazwischen: in einem Bereich, wo Anforderungen und persönliche Fähigkeiten aufeinander abgestimmt sind. Man arbeitet effizient und ökonomisch, spürt dabei Freude, Leichtigkeit, Verbundenheit und Sinn.

Wie komme ich in den Flow?

Es gibt hier keine Technik, die man lernen kann. Grundsätzlich ist jeder Mensch dazu fähig. Aber es gibt ein paar beachtenswerte Dinge, die einen Flow begünstigen können:

1. Störfaktoren ausschalten

2. Das richtige Anforderungsniveau wählen, also sich weder über- noch unterfordern

3. für eine ausgewogene Nährstoffversorgung sorgen (das Gehirn benötigt diese für Neurotransmitter) und

4. sich seines Ziels und der eigenen Motivation bewusst sein.

Sehr wertvoll sind auch Entspannung und Meditation, Affirmationen und Visualisierungen, in denen man sich das Erfolgserlebnis bereits mittels innerer Bilder vorstellt.

Kinder kennen das

Zwei Beispiele für eine Affirmation: „Ich bin völlig im Hier und Jetzt“ und „Ich wachse mit meinen Aufgaben in jeder Minute“.

Abschließend möchte ich behaupten, dass Sie das Flow-Phänomen kennen – aus Ihrer Kindheit. Für Kinder gibt es nichts Natürlicheres als im Spiel völlig aufzugehen.

Ich möchte meinen Beitrag mit einem Zitat von Mihály Csíkszentmihályi beenden: „Menschen, die ihr Leben sinnvoll finden, haben gewöhnlich ein Ziel, das herausfordernd genug ist, um all ihre Energie in Anspruch zu nehmen, dass ihrem Leben Bedeutung verleiht.“

Wir bedanken uns bei Frau Irene Humer, Mentaltrainerin aus Pollham bei Grieskirchen, für diesen Gastbeitrag.

www.irenehumer.at

Photo by Jeremy Bishop on Unsplash


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